Vorläufiger Verlustrücktrag für Unternehmen in der Corona-Krise

So können Sie absehbare Verluste schon jetzt verrechnen lassen.

Unternehmen, die coronabedingt in diesem Jahr mit einem Verlust rechnen, können ab sofort neben den bereits für 2020 geleisteten Vorauszahlungen auch eine Erstattung von für 2019 gezahlten Beträgen beantragen. Hierzu kann der Verlust für das aktuelle Jahr mit 15 Prozent des Gewinns aus 2019 pauschal angesetzt werden. Die Details regelt ein Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen vom 24. April 2020.

Welche Steuerpflichtigen sind antragsberechtigt? 

Einen vorläufigen Verlustrücktrag können nur Steuerpflichtige mit Gewinneinkunftsarten (Gewerbebetrieb, Freiberufler, Land- und Forstwirtschaft) und mit Einkünften aus Vermietung und Verpachtung beantragen. Ein Bezug anderer Einkünfte neben diesen ist unschädlich. 

Es ist ein schriftlicher Antrag oder (per Elster) elektronischer Antrag an das zuständige Finanzamt nötig. Dieser kann bis Ende März 2021 gestellt werden (§ 37 Abs. 3 Satz 3 Einkommensteuergesetz). Der Antrag kann gleichzeitig mit dem Antrag auf Herabsetzung der Vorauszahlungen für 2020 gestellt werden.

Der Steuerpflichtige muss von der Corona-Krise unmittelbar und nicht unerheblich negativ betroffen sein. Dies wird vermutet, wenn die Vorauszahlungen für 2020 auf null Euro herabgesetzt wurden und er versichert, dass er nicht unerhebliche negative Einkünfte (also Verluste) aufgrund der Corona-Krise in 2020 erwartet.

Wie wird der pauschale Verlustrücktrag ermittelt? 

Da eine hinreichende Prognose und Darlegung der Verluste in 2020 im Einzelfall gerade in der aktuellen Situation aufgrund der Unsicherheiten der wirtschaftlichen Entwicklung vielfach schwierig ist, soll der Verlustrücktrag pauschal ermittelt werden können. Dieser pauschale Verlustrücktrag beträgt 15 Prozent der Gewinneinkünfte bzw. Vermietungseinkünfte, die der Berechnung der Vorauszahlungen für 2019 zu Grunde gelegt wurden. In vielen Fällen dürften dies die jeweiligen Einkünfte aus dem Jahr 2018 bzw. 2017 sein, sofern noch keine Veranlagung für 2019 durchgeführt wurde. 

Wichtig: Die Möglichkeit, im Einzelfall unter Einreichung detaillierter Unterlagen einen höheren rücktragsfähigen Verlust darzulegen, bleibt hiervon unberührt.

Die Vorauszahlungen für 2019 werden unter Berücksichtigung des pauschal ermittelten Verlustrücktrags aus 2020 neu berechnet und festgesetzt. Eine Änderung der Festsetzung der Vorauszahlungen führt zu einem Erstattungsanspruch.

Bis zu welchem Betrag kann der Verlustrücktrag geltend gemacht werden? 

Der Verlustrücktrag beträgt maximal 1 Million Euro (bei Zusammenveranlagung 2 Millionen Euro); dies ergibt sich zwangsläufig aus § 10d Abs. 1 Einkommensteuergesetz. Für Kapitalgesellschaften ergibt sich somit ein maximaler Liquiditätszufluss von 150.000 Euro Körperschaftsteuer zuzüglich Solidaritätszuschlag. Bei Personenunternehmen ist der Liquiditätseffekt vom persönlichen Steuersatz abhängig. 

Welche Folgen ergeben sich für die Steuerfestsetzungen in 2019 und 2020? 

Im Laufe des Jahres 2020 werden die Steuerfestsetzungen für 2019 erfolgen. Diese dürften dann in Fällen des pauschalen Verlustrücktrages zunächst zu Nachzahlungen führen, da der endgültige Verlustrücktrag selbst erst im Rahmen der Festsetzungen für das Jahr 2020 erfolgt. Deshalb werden die diesbezüglichen Nachzahlungen auf Antrag befristet bis spätestens einen Monat nach Bekanntgabe des Steuerbescheids 2020 unter dem Vorbehalt der Zinsfestsetzung und unter dem Vorbehalt des Widerrufs zinslos gestundet. Ergibt die Steuerfestsetzung 2020 dann einen geringeren als den pauschalen oder gar keinen Verlustrücktrag, so sind die gestundeten Nachzahlungen innerhalb eines Monats an das zuständige Finanzamt zu zahlen. Wird dagegen im Zuge der Steuerfestsetzung 2020 ein höherer als der pauschale Verlustrücktrag festgestellt, wird der Differenzbetrag vom Finanzamt zusätzlich erstattet. 

In dem BMF-Schreiben (siehe oben) ist die Funktionsweise des pauschalen Verlustrücktrages anhand eines umfangreichen Beispiels erläutert.

Dr. Timmy Wengerofsky Recht und Steuern 0221 1640-3070 0221 1640-3690 timmy.wengerofsky@koeln.ihk.de
Ellen Lindner Recht und Steuern 0221 1640-3030 0221 1640-3690 ellen.lindner@koeln.ihk.de

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