Resolution der Vollversammlung der IHK Köln zur Vereinbarkeit Familie und Beruf

Zur Erhöhung der Frauenbeschäftigung, für mehr Frauen in Führungspositionen und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Hier die Resolution vom 11. Oktober 2018 im Wortlaut:

Resolution der Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer zu Köln zur Erhöhung der Frauenbeschäftigung, für mehr Frauen in Führungspositionen sowie einer verbesserten Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Frauen und Männer

Der Bedarf der Wirtschaft im IHK-Bezirk Köln an gut ausgebildeten Fachkräften wächst weiter. Laut dem aktuellen Konjunkturbericht der IHK Köln sehen 58% der befragten Unternehmen den Fachkräftemangel als größtes Risiko. Einer stabilen Bevölkerungsentwicklung in der Stadt Köln stehen deutliche Rückgänge in Umlandregionen gegenüber, vor allem in der jungen Bevölkerungsgruppe. Es gilt daher, Voraussetzungen zu schaffen, um das Fachkräftepotenzial in der Region für die Wirtschaft und ihre Unternehmen auszuschöpfen.

Eine Chance liegt darin, das Potenzial von Frauen zu nutzen, die derzeit aus unterschiedlichen Gründen in zu geringen zeitlichem Umfang, deutlich unterhalb ihrer Qualifikation oder gar nicht beschäftigt sind. Gleichermaßen gilt es, Anreize und Möglichkeiten für qualifizierte Frauen zu schaffen, um in Führungspositionen aufzusteigen.

Die Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer zu Köln möchte Maßnahmen unterstützen, die zu einer höheren Beschäftigungsquote von Frauen in der Region Köln sowie zu besseren Aufstiegschancen für Frauen führen. Dazu dient insbesondere eine verbesserte Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf. Die IHK Köln wird sich hier auch als Ratgeberin für Familienfreundlichkeit in Unternehmen als Maßnahme der Personalbeschaffung und -entwicklung etablieren und diese Position auch in der eigenen Personalpolitik vertreten.

Um eine höhere Frauenbeschäftigung zu erreichen, fordert die Vollversammlung der IHK Köln von Politik, Verwaltung und Wirtschaft folgende konkrete Aktivitäten:

Tradierte Rollenbilder bei der Berufswahl durchbrechen

Die Berufswahl von jungen Frauen und Männern orientiert sich immer noch stark an klassischen Rollenbildern. Agenturen für Arbeit, Schulen, Hochschulen, Berufsorientierungseinrichtungen und Wirtschaft sind dazu aufgerufen, sich gemeinschaftlich für eine deutlich bessere Beratung und Information einzusetzen, die eine Berufswahlentscheidung unabhängig von Geschlechterrollen ermöglicht. Gleichzeitig gilt es, Eltern sowie Lehrerinnen und Lehrer besser über Aufstiegs- und Karrieremöglichkeiten nach einer beruflichen Ausbildung zu informieren.

Kinderbetreuung ausweiten und flexibilisieren

Durch ein flächendeckendes Angebot an Betreuungsplätzen steigen die Möglichkeiten zu einer vermehrten Erwerbstätigkeit von Müttern und Vätern. Für die steigende Anzahl Alleinerziehender ist ebenfalls eine umfassende Kinderbetreuung Grundvoraussetzung für eine der Qualifikation entsprechende Beschäftigung. Daher ist es erforderlich, die Kinderbetreuung in allen Kommunen und für alle Altersstufen sicherzustellen und nachhaltig auszubauen. Dazu gehört auch, dass die Finanzierbarkeit sichergestellt wird und die Angebote sich an den beruflichen Erfordernissen der Eltern ausrichten. Auch die IHK Köln wird sich vermehrt in Projekten und Initiativen, die familienfreundlichere Rahmenbedingungen zum Ziel haben, engagieren.

Betriebsnahe Kinderbetreuungsangebote fördern

Zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist es zielführend, die Betreuung von Kindern auch unmittelbar am Arbeitsort von Vätern oder Müttern in kommunalen oder von Unternehmen eingerichteten Kindertagesstätten zu ermöglichen. Land und Kommunen können durch eine angemessene Auslegung der gesetzlichen Rahmenbedingungen und finanzielle Förderung die Einrichtung von Betriebskindergärten fördern. Auch bei der Beratung von Unternehmen bei der Initiierung von betriebsinternen Betreuungskonzepten ist die öffentliche Hand gefordert. Die IHK Köln wird hier ihren unterstützenden Beitrag leisten.

Ganztagsbetreuung für Schulkinder

Bei der Betreuung von Schulkindern gibt es kein ausreichendes Betreuungsangebot nach dem Unterricht. Die Einschulung wirkt somit insbesondere für Mütter als Beschäftigungsbremse. Sie können ihre berufliche Tätigkeit dann häufig nur noch in Teilzeit ausüben. Die Angebote müssen ausgebaut und auch in der Qualität verbessert werden. Die IHK Köln fordert daher ein ausreichendes Angebot an qualifizierter, professioneller Ganztagsbetreuung/-schulen. Eine Erhöhung des staatlichen Budgets für Bildung und eine bessere Unterstützung für die Kommunen sind anzustreben.

Flexible Arbeitszeitgestaltung fördern

Die allgemeinen Rahmenbedingungen für Erwerbstätige haben sich durch Veränderungen in der Arbeitswelt wie Digitalisierung, Globalisierung und andere Erwartungen der Kunden geändert. Diese Veränderungen bergen auch Chancen: Die Wirtschaft ist aufgerufen, die technischen Möglichkeiten und die zunehmende Bereitschaft zur flexiblen Arbeitszeit- und Arbeitsortgestaltung zu schaffen (Jahrearbeitszeitkonten, HomeOffice etc.). Diese Maßnahmen sollen zukünftig auch als selbstverständliche Modelle zur Mitarbeitergewinnung, -entwicklung und -bindung in der betrieblichen Personalarbeit verankert werden.

Pflegesituationen dürfen kein Hindernis für Beschäftigung sein - Wiedereinstieg erleichtern und Hilfestellung in plötzlichen und dauerhaften Situationen geben

Die Pflege von Angehörigen wird in einer älter werdenden Gesellschaft zum elementaren Bestandteil des täglichen Lebens. Pflegezeiten dürfen keinen Nachteil bei einer der Qualifikation entsprechenden Beschäftigung und beruflichen Entwicklung darstellen. Dies gilt insbesondere, wenn nach einer Familien- oder Pflegephase der Wiedereinstieg in das Berufsleben geplant wird. Hier können Unternehmen ebenso wie die öffentliche Hand durch Förderung von Weiterbildung zusätzliche Unterstützung leisten und die Voraussetzungen schaffen, damit die Potenziale von Erwerbstätigen in dieser Lebensphase umfassend erschlossen werden.

Die Beschäftigung von Frauen in Führungspositionen muss gefördert und ausgebaut werden

Frauen sind auch in den Führungspositionen von Unternehmen in der Region Köln deutlich unterrepräsentiert. Diesem Missverhältnis soll mit den oben genannten Maßnahmen aktiv begegnet werden. Je mehr Frauen in Führungspositionen gelangen, desto selbstverständlicher werden Karrieren, die geschlechterunabhängig Beruf und Familie in Einklang bringen.

Erhöhung der Sichtbarkeit von Frauen in der Wirtschaft

Die IHK Köln wird sich weiterhin für die Sichtbarkeit von Frauen in der Wirtschaft, in ihren Gremien und Publikationen einsetzen und mit Plattformen Gelegenheiten schaffen, an denen sich unternehmerisch tätige Frauen sowie Frauen in Führungspositionen aus der Region vernetzen können. Wenn Unternehmen, Politik, Verwaltung und Verbände bei diesem Thema noch stärker kooperieren und ihre Aktivitäten bündeln, kann dies ein positiver Standortfaktor sein.



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