Neue IHK-Studie zeigt: Energie ist ein regionaler Wertschöpfungsfaktor

Köln, 12.06.2018. Der industrielle Einsatz von Energie hat im IHK-Bezirk Köln eine deutlich größere Bedeutung als im Landes- und Bundesdurchschnitt. 37.000 Beschäftigte arbeiten in energieintensiven Industrien, der Umsatz liegt bei jährlich rund 14 Milliarden Euro und die Wertschöpfung beträgt drei Milliarden Euro. Durch enge, überregionale Verflechtungen bewirken die Unternehmen auf Landes- und Bundesebene teils eine Verdreifachung dieser Zahlen. Das zeigt eine neue Studie, die die IHK Köln gemeinsam mit den IHKs Aachen und Mittlerer Niederrhein in Auftrag gegeben hat. „Wohlstand und Beschäftigung hängen in unserer Region in besonderem Maße von einer verlässlichen und wettbewerbsfähigen Energieversorgung ab", sagt Elisabeth Slapio, Geschäftsführerin Innovation und Umwelt der IHK Köln.

Weitreichende Effekte - lokal und landesweit
Wie die Studienergebnisse zeigen, gehen rund 64 Prozent des Gesamtumsatzes und 57 Prozent der Wertschöpfung in den energieintensiven Industrien im IHK-Bezirk Köln auf die Chemieindustrie zurück. Der Schwerpunkt liegt in der besonders stromintensiven Grundstoffchemie, z. B. der Chlorherstellung. Weitere zentrale Branchen sind die Nahrungs- und Futtermittelindustrie (22 %) sowie Gießereien (11 %). Energieintensive Unternehmen sind wesentlicher Teil regional- und gesamtwirtschaftlich bedeutsamer Wertschöpfungsketten. Diese erstrecken sich über weitere Unternehmen und Beschäftigte in der Region, in ganz NRW und im übrigen Bundesgebiet. Für die Wertschöpfung wird eine Vielzahl von Arbeitskräften benötigt: Im IHK-Bezirk Köln arbeiten rund 37.000 direkt Beschäftigte (4 % der Gesamtanzahl) in energieintensiven Industrien.

Die Daten belegen die große Bedeutung der energieintensiven Industrien für die regionale Wirtschaft: Auf drei Beschäftigte in den energieintensiven Industrien kommt ein weiterer Arbeitsplatz direkt vor Ort hinzu. Vier Euro Umsatz generieren zusätzlich einen Euro in der Region. Und die Wertschöpfung erhöht sich sogar um 30 Prozent. Diese zusätzlich erzielten Wirkungen (sog. „Multiplikatoreffekte") der energieintensiven Industrien des IHK-Bezirks Köln sind mit Blick auf NRW-Landesebene noch größer: Der Umsatz verdoppelt sich entlang der Wertschöpfungsketten von rund 14 Milliarden Euro vor Ort auf 29 Milliarden Euro in Nordrhein-Westfalen. Die Bruttowertschöpfung verdreifacht sich sogar nahezu; drei Milliarden Euro in der Region erzeugen acht Milliarden Euro in NRW. Gleiches gilt für die Beschäftigung: Die 37.000 Beschäftigten im IHK-Bezirk Köln ermöglichen im Land rund 100.000 Arbeitsplätze.

Auswirkungen auch auf Bundesebene
Diese starken Effekte spiegeln sich auch in den bundesweiten Multiplikatoren wider: Eine Wertschöpfung von 100 Euro im IHK-Bezirk Köln löst bundesweit eine Wertschöpfung von insgesamt 350 Euro aus (Multiplikator 3,5); d. h. 250 Euro zusätzlich. Das gleiche Verhältnis gilt für die Beschäftigung. Für die Produktion ergibt sich bundesweit ein Multiplikator von 2,5. „Die Analysen belegen eindrucksvoll den Stellenwert, den die energieintensiven Unternehmen für die Wirtschaft haben. Sowohl in der Region als auch überregional und über alle Branchengrenzen hinweg", so Slapio. Der hohe Grad der Vernetzung führe dazu, dass jegliche Veränderungen nur im Ausnahmefall auf einzelne Unternehmen beschränkt bleiben. Stets seien auch weite Teile der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungsstufen und nicht zuletzt die damit verbundenen Arbeitsplätze betroffen. „Gerade energiepolitische Maßnahmen entfalten deshalb schnell eine weitreichende Wirkung. Dieser überregionalen Verantwortung muss sich die Politik bei energiepolitischen Entscheidungen bewusst sein."

Produktionsfaktor Strom
Neben der Beschäftigung sowie den eingesetzten Maschinen und Ausrüstungen ist Strom der bedeutendste Produktionsfaktor für die Unternehmen. In einer eng verflochtenen Wirtschaft beeinflussen die Energiepreise ganze industrielle Wertschöpfungsnetzwerke. In den energieintensiven Industrien im IHK-Bezirk Köln werden über 7.200 GWh verbraucht. Dies entspricht rund drei Prozent des industriellen Gesamtverbrauchs in Deutschland. Der Großteil des Stromverbrauchs geht mit 74 Prozent auf die Chemieindustrie zurück. Zweitgrößter Stromverbraucher sind die Gießereien mit einem Verbrauchsanteil von zwölf Prozent. Der hohe Energieverbrauch beruht jedoch nicht auf Ineffizienz: Weil Energiekosten für die Unternehmen ein erheblicher Kostenfaktor sind, setzen sie diverse Maßnahmen der Energieeinsparung um.

Nahezu alle energieintensiven Industriezweige reduzierten in den Jahren 2010 bis 2014 durch entsprechende Anstrengungen ihren Stromverbrauch pro Euro Wertschöpfung. Insbesondere in der Nahrungsmittelindustrie (-7,9 %) und Glasindustrie (-4,3 %) fiel die Stromintensität markant. Aber auch in der Papier- und Stahlbranche ging die Stromintensität zurück. Die Effizienzgewinne fielen dabei deutlich stärker aus als die des Verarbeitenden Gewerbes. „Strom hat eine besondere wirtschaftspolitische Bedeutung, weil die Strombezugskosten wesentlich und zunehmend direkt von der nationalen Energiepolitik bestimmt werden", sagt Slapio.

Tobias Havers Hauptgeschäftsführung 0221 1640-1620 0221 1640-1690 tobias.havers@koeln.ihk.de

Tobias Havers

Hauptgeschäftsführung

0221 1640-1620

0221 1640-1690

tobias.havers@koeln.ihk.de

Wie bewerten Sie diese Seite?

Absenden

Vielen Dank für Ihr Feedback!