Lieferkettenportal der IHK Köln

Wie entstehen nachhaltige und resiliente Lieferketten?

Die Corona-Krise hat die Lieferketten der international tätigen Unternehmen auf eine harte Belastungsprobe gestellt. Staatlich verordnete Einschränkungen des Personen- und Warenverkehrs sowie Betriebsschließungen bei Kunden und Lieferanten haben dazu geführt, dass es in manch produzierenden Betrieben zu Produktionsproblemen oder gar Stillständen gekommen ist. Unterbrechungen der Lieferkette sind auch in Zukunft möglich, sei es durch Naturkatastrophen, Pandemien, Konflikte, Streiks oder Insolvenzen von Zulieferern.

Hinzu kommt, dass Unternehmensinhaber und Geschäftsführer, Kunden und Abnehmer, Mitarbeiter und Investoren, Medien und der Gesetzgeber stärker als je zuvor auf nachhaltige Beschaffungswege achten. Dazu zählen die Einhaltung von Umwelt- und Sozialstandards bei Zulieferern und deren Partnern und ein positiver Beitrag des Unternehmens zu den Lebensbedingungen in den Lieferländern. Gründe genug, dass Unternehmen ihre Lieferketten regelmäßig kritisch überprüfen.

Ist meine Lieferkette nachhaltig?

Deutsche Unternehmen sind eng in internationale Lieferketten eingebunden. Die weltweite Arbeitsteilung sichert nicht nur den Wohlstand in Deutschland, sie trägt auch zur Schaffung von Arbeitsplätzen und zur Wertschöpfung in den Partnerländern bei. Doch ist vor allem bei weitverzweigten Lieferketten nicht immer sicher, ob Umwelt- und Sozialstandards eingehalten werden.

Erstinformationen und Unterstützung bei der Einschätzung des Risikos bietet das neue Online-Tool KMU-Kompass. Der KMU-Kompass ist ein digitales Informationsportal für Unternehmen zur Implementierung eines nachhaltigen Lieferkettenmanagements des Helpdesk Wirtschaft und Menschenrechte. Es ist ein Angebot speziell für kleinere und mittlere Unternehmen (KMU).

Der Helpdesk Wirtschaft & Menschenrechte der Bundesregierung berät Unternehmen individuell, vertraulich und kostenfrei rund um das Thema menschenrechtliche Sorgfalt.

Firmen, die mit einem wirtschaftlichen Engagement in Entwicklungs- und Schwellenländern einen Beitrag zur Verbesserung der Lebensbedingungen leisten möchten, können sich beim Business Scout for Development über Fördermöglichkeiten, Netzwerke und Best-Practice-Beispiele informieren.

Ist meine Lieferkette stabil?

Unternehmen sollten prüfen, ob ihre Lieferkette auch beim Ausfall von einzelnen Vorlieferanten oder Vorprodukten aufrechterhalten werden kann. Dabei sollten nicht nur die unmittelbaren Zulieferer analysiert werden, sondern auch mögliche Ausfallrisiken in vorgelagerten Fertigungsschritten.

Die IHK Köln berät Firmen zur Erschließung neuer Absatz- und Beschaffungsmärkte und bietet eine Plattform für den Erfahrungsaustausch zwischen Unternehmen bei Beschaffung und Vertrieb.

Falls Lieferketten aus politischen Gründen gestört sein sollten, stellt die IHK Köln den Kontakt zu den Anlaufstellen von Bund und Land NRW her.

Als Teil der NRW-Außenwirtschaftsförderung entwickelt und begleitet die IHK Köln Unternehmerreisen und Gemeinschaftsstände in wichtige Zielmärkte. Über das Netzwerk der deutschen Auslandshandelskammern können Firmen individuelle Kontakte zu Lieferanten, Kunden und Vertriebspartnern aufbauen.

Welche gesetzlichen Regelungen sind geplant?

Die Vollversammlung der IHK Köln – das „Parlament der gewerblichen Wirtschaft der Region Köln" – hat am 9. Dezember 2020 mit breiter Mehrheit eine Resolution zum geplanten Lieferkettengesetz verabschiedet, in der Grundsätze für gesetzgeberische Maßnahmen formuliert sind. Darüber hinaus hat die IHK den o.a. Gesetzentwurf analysiert und dabei festgestellt, dass er mehr Fragen als Antworten aufwirft. So stellen sich insgesamt 76 Fragen, die von der Politik zu beantworten sind, um Unklarheiten im Gesetz rechtzeitig auszuräumen, damit es nach Verabschiedung nicht zu Rechtsunsicherheit kommt. 

Die IHK Köln hat den Gesetzgebungsprozess daher aufmerksam verfolgt und u.a. mehrfach Abgeordnete kontaktiert.

Am Freitag, den 11.06.2021 hat der dt. Bundestag das sog. Lieferkettengesetz am vergangenen Freitag beschlossen. Einige Punkte, die in der IHK-Resolution wichtig waren, wurden erfreulicherweise vor der Entschließung in der Vorlage – im Gegensatz zum damaligen Referentenentwurf – in unserem Sinne geändert.
Näheres lesen Sie bitte auf der Website des Deutschen Bundestages.

Zugestimmt haben die beiden Regierungsfraktionen sowie Bündnis 90/Die Grünen. Die Abgeordneten der Fraktionen von FDP und AfD stimmten dagegen, die Abgeordneten der Fraktion Die Linke enthielten sich. Insgesamt stimmten 412 Abgeordnete für das Gesetz, 159 stimmten dagegen und es gab 59 Enthaltungen.
Die Ergebnisse der namentlichen Abstimmung finden Sie hier.

Das Gesetz wurde am 22. Juli 2021 im Bundesgesetzblatt veröffentlicht.

Auch die EU macht sich für ein Lieferkettengesetz stark. Der Rechtsausschuss des Europäischen Parlaments hat dazu am 27.01.2021 für einen legislativen Initiativbericht gestimmt.  Am 10. März 2021 hat das Europaparlament für den Bericht gestimmt und den Weg für ein neues EU-Gesetz geebnet, das Unternehmen dazu verpflichten soll, Menschenrechte und Umweltnormen innerhalb ihrer Wertschöpfungsketten zu berücksichtigen. Allerdgins gibt es auch auf EU-Ebene Verzögerungen. Dies bestätigte eine Kommissionsvertreterin im Rahmen einer Online-Veranstaltung in Brüssel Ende Mai 2021. Derzeit werde weiter an der Folgenabschätzung gearbeitet. Medienberichten zufolge war kürzlich Binnenmarktkommissar Breton in die Vorbereitungen einbezogen worden, der diese von nun an gemeinsam mit Justizkommissar Reynders leiten wird. Eine erste Fassung der Folgenabschätzung der Kommissionsdienste war zudem vom unabhängigen Ausschuss für Regulierungskontrolle (sog. Regulatory Scrutiny Board) der Kommission abgelehnt worden. Die Veranstaltung Ende Mai machte erneut deutlich, wie umstritten das Vorhaben auch auf EU-Ebene ist. Als besonders diskussionswürdig erschienen die Rechtsgrundlage, der Anwendungsbereich einer europäischen Regelung (in Bezug auf die Einbeziehung von KMU, aller Menschenrechte und der Zulieferer der gesamten Lieferkette), die Rechtsdurchsetzung und das Ausmaß einer möglichen zivilrechtlichen Haftung. Während NGO-Vertreter beklagen, die Vergangenheit habe gezeigt, dass freiwillige Regelungen wenig wirkungsvoll seien, warnen Unternehmensvertreter vor Überforderung besonders der KMU und Rechtsunsicherheit durch ein EU-Lieferkettengesetz. 
Mit dem Kommissionsvorschlag kann nun vermutlich im Herbst 2021 auf Basis der o.a. Entschließung des Europäischen Parlaments vom 10. März 2021  gerechnet werden; den Text in dt. Sprache finden Sie auf der Internetseite des Europäischen Parlaments

Ihre Ansprechpartner in der IHK Köln

Fragen zu Ländern und Märkten:
Gudrun Grosse
Tel. 0221 1640-1561
E-Mail: gudrun.grosse@koeln.ihk.de

Fragen zu Nachhaltigkeit und CSR:
Claudia Betzing
Tel. 0221 1640-4200
E-Mail: claudia.betzing@koeln.ihk.de

Fragen zum innerdeutschen Vertragsrecht:
Inga Buntenbroich
Tel. 0221 1640-3200
E-Mail: inga.buntenbroich@koeln.ihk.de

Fragen zu internationalen Verträgen & UN-Kaufrecht:
Sandra Vogt
Tel. 0221 1640-1554
E-Mail: sandra.vogt@koeln.ihk.de

Gudrun Grosse International und Unternehmensförderung 0221 1640-1561 0221 1640-1559 gudrun.grosse@koeln.ihk.de

Gudrun Grosse

International und Unternehmensförderung

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