Dok.-Nr. 241160

Kein Optimismus bei den Unternehmen

Pressemeldung 21.10.2020: Ergebnisse der Herbst-Konjunkturumfrage

Das Konjunkturklima in der Region Köln liegt weiter im negativen Bereich. Auch die Erwartungen der Betriebe für die kommenden zwölf Monate sind weiter zurückhaltend. Dr. Nicole Grünewald, Präsidentin der IHK Köln: „Der sommerliche Optimismus mit der Hoffnung auf eine schnelle Erholung ist der Erkenntnis gewichen, dass es nur in kleinen Schritten voran geht und die Situation immer noch sehr fragil ist. Auf der anderen Seite sehen wir, dass die regionale Wirtschaft sehr schnell wieder anlaufen kann, wenn die Bedingungen stabil sind. Darauf sollten wir uns also mit aller Kraft konzentrieren.“ Aufgrund der Unsicherheiten durch die Corona-Pandemie und den erneuten Anstieg der Infektionszahlen überwiegen im Herbst 2020 die skeptischen Unternehmen. An der Umfrage haben 699 Unternehmen beteiligt, sie wurde vom 17.08. bis zum 11.09. durchgeführt. Die Zahlen werfen ein Schlaglicht auf die Situation der Unternehmen im Befragungszeitraum. Aufgrund der weiter steigenden Corona-Zahlen sehen aktuell auch die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrem Herbstgutachten eine verhaltenere Entwicklung und revidieren ihre Prognose für dieses und das nächste Jahr um einen Prozentpunkt nach unten (Quelle: DIW 14.10.2020).

Seinen Tiefstand hatte der IHK-Konjunkturklimaindikator mit 49,3 Prozentpunkten im Frühjahr erreicht. Im Juni stiegen die Erwartungen und der Indikator kletterte auf 88,1 Prozent. Im Herbst fiel der Indikator auf 85,5 Prozentpunkte und bleibt damit deutlich im negativen Bereich (unterhalb der Null-Linie bei 100 Punkten). Frank Hemig, stellv. Hauptgeschäftsführer der IHK Köln, erläutert: „Hatten wir im Sommer noch die Hoffnung, dass die Erholung in Form eines ‚V‘ stetig nach oben gehen würde, erleben wir jetzt einen weiteren Dämpfer. Die Hauptrisiken für die Unternehmen sind die Inlands- und Auslandsnachfrage sowie die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. Ohne Planungssicherheit wird keine Erholung möglich sein, dies wird von der Weiterentwicklung der Pandemie abhängen.“

Sonderfragen zur Corona-Pandemie

Zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie hat die IHK Köln den Unternehmen im Rahmen der Herbstumfrage eine Reihe von Sonderfragen gestellt. Daran beteiligt haben sich rund ein Viertel der Befragten. Auf die Frage, wie sich der Gesamtumsatz im Jahr 2020 im Vergleich zum Jahr 2019 voraussichtlich entwickeln wird, befürchten über ein Viertel der Unternehmen einen Rückgang bis zu 25 Prozent. Von einer Umsatzsteigerung gehen 14 Prozent aus, genau so viele sehen keine Auswirkungen. 44 Prozent melden, dass sie zurzeit keinen Personalbedarf haben, 32 Prozent haben Probleme, offene Stellen zu besetzen. Fast die Hälfte der Teilnehmenden (47,6 Prozent) sieht zurzeit keine negativen Auswirkungen der Krise auf die aktuelle Finanzlage. Bei 18,2 Prozent spielen zunehmende Forderungsausfälle eine wesentliche Rolle. Eine Rückkehr zur normalen Geschäftstätigkeit auf dem Niveau vor der Corona-Pandemie sieht nur eine Minderheit noch in diesem Jahr (5 Prozent). Die Mehrheit rechnet entweder mit dem 2. Halbjahr 2021 (21 Prozent) oder sogar erst mit der Zeit nach 2021 (21 Prozent). Gar keine Einschätzung wagen 17 Prozent der Unternehmen.

Ergebnisse für die Stadt Köln:

Im Herbst 2020 melden in Köln 38 Prozent der Unternehmen eine schlechte Lage (Vorumfrage: 42,6 Prozent) und 17,6 Prozent eine gute Lage (Vorumfrage: 17,2). So überwiegen auch bei einer leichten Verbesserung des Indikators die pessimistischen Bewertungen. Im Hinblick auf die kommenden zwölf Monate sind die Erwartungen von einem Saldo von -64,1 im Frühjahr auf -13,5 im Herbst angestiegen. 19,2 Prozent gehen wieder von einer Erholung der Geschäftslage in den kommenden zwölf Monaten aus, 32,7 erwarten eine schlechtere Lage. Aktuell planen 15,1 Prozent mit mehr Personal, aber 41,7 Prozent gehen davon aus, dass weniger Personal gebraucht wird.

Entwicklung im gesamten IHK-Bezirk Köln mit Leverkusen, Rhein-Berg, Rhein-Erft und Oberberg:

Geschäftslage

Der Lageindikator ist im Herbst um 9,8 Punkte auf -19 Prozent gestiegen. 38 Prozent der Unternehmen sehen ihr Geschäft in einer schlechten Lage, 19 Prozent bezeichnen die Lage als gut. Im Handel steigt die Bewertung, bleibt aber im negativen Bereich. In der Industrie hat sich die Bewertung verschlechtert, nur die chemische und die pharmazeutische Industrie melden eine minimal bessere Lagebewertung. Im Dienstleistungsbereich sind die Immobilienwirtschaft, das Baugewerbe, die Unternehmensberatungen, Informationswirtschaft und Gesundheitswirtschaft in einer besseren Situation als in der Vorumfrage.

Erwartungen

Während die Erwartungen zur Geschäftsentwicklung in den kommenden zwölf Monaten in der Sommerumfrage bei plus 9,4 Prozent lagen, sind sie im Herbst auf minus 9,8 Punkte gefallen. 21Prozent der Unternehmen denken, dass sich die Lage verbessern wird, 30 Prozent gehen von einer Verschlechterung aus. Besonders der Fahrzeugbau, die Gummi- und Kunststoffindustrie, die Papier-, Verlags- und Druckindustrie, die chemische und pharmazeutische Industrie, der Maschinenbau sowie die Elektroindustrie sehen optimistischer in die Zukunft. Im Dienstleistungsbereich trifft diese positivere Haltung auf Informations- und Gesundheitswirtschaft zu. Einzel- und Großhandel sind zurückhaltender in ihren Erwartungen als noch im Sommer.

Risiken

Das bisherige – langjährige – Top-Thema Fachkräftemangel ist mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie in den Hintergrund getreten und liegt nun auf Platz fünf der genannten Risiken. Über 70 Prozent sehen in der Inlandsnachfrage das größte Risiko, gefolgt von den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen mit über 50 Prozent, der Auslandsnachfrage und den Arbeitskosten. Trotzdem klagen noch rund ein Drittel der befragten Unternehmen darüber, vakante Stellen langfristig nicht besetzen zu können. In der Gesundheitswirtschaft bleibt der Fachkräftemangel Geschäftsrisiko Nummer eins, bei Unternehmensberatungen und im Einzelhandel steht er auf dem zweiten Platz.

Investitionen

Die Investitionsabsichten liegen bei minus 23,6 Prozent. Gegenüber der Sommerumfrage sind sie damit zwar um 12,2 Prozentpunkte gestiegen, liegen aber immer noch deutlich im negativen Bereich. 20 Prozent der Unternehmen planen mit höheren Investitionen, jedoch wollen 43 Prozent in den nächsten zwölf Monaten weniger investieren. Mehr investieren wollen Unternehmen aus den Branchen der Immobilienwirtschaft, der Nahrungs- und Genussmittelindustrie, der Gesundheitswirtschaft und des Baugewerbes. Ein Großteil der geplanten Investitionen kommt dem Ersatz von Maschinen und Anlagen zugute. Der Umweltschutz verliert angesichts der aktuellen Herausforderungen für die Unternehmen an Bedeutung. Wie schon im Frühjahr planen 14 Prozent Investitionen in diesem Bereich.

Außenhandel

Trotz deutlich gestiegener Exporterwartungen im Vergleich zur Vorumfrage bleiben der Indikator im negativen Bereich, bei minus 29,2 Punkten. Aber: 13,5 Prozent der Industrieunternehmen gehen wieder von einem Exportplus aus, in der Vorumfrage waren es lediglich 2,7 Prozent. Jedoch birgt die außenpolitische Lage auch jenseits der Pandemie erhebliche Risiken. Der Handelsstreit zwischen den USA und China, die US-Strafzölle auf EU-Produkte und die Spannungen zwischen Europa und Russland sind neben dem Dauerthema Brexit zu nennen.

Arbeitsmarkt 

Bei der Hälfte der befragten Unternehmen soll sich bei der Zahl der Beschäftigten in den nächsten Monaten nichts ändern. 37 Prozent planen mit weniger Belegschaft (Vorumfrage: 25 Prozent) und nur noch 13 Prozent möchten mehr Beschäftigte einstellen. In der Industrie planen alle Branchen mit weniger Personal als in der Vorumfrage. In den aktuellen Arbeitsmarktzahlen hat die Pandemie bereits deutliche Spuren hinterlassen. So stehen schon seit April in allen Regionen des IHK-Bezirks gestiegene Arbeitslosenzahlen einer deutlich reduzierten Anzahl offener Stellen gegenüber.

Branchen:

Die Top-Branchen im Herbst 2020 sind Immobilienwirtschaft, Fahrzeugbau und Gesundheitswirtschaft.

Industrie

Zu Beginn der Corona-Pandemie waren 80 Prozent der Industrieunternehmen der Meinung, dass sich die Lage verschlechtern wird. Im Herbst blickt die Industrie zuversichtlicher in die kommenden zwölf Monate: Nur noch 13 Prozent glauben an eine Verschlechterung, fast jedes zweite Unternehmen rechnet mit Verbesserungen. Zurückgegangen ist die Kapazitätsauslastung und liegt nun das vierte Mal in Folge unter dem langjährigen Durchschnitt von 80,4 Prozent bei nur noch 70 Prozent. Die Auftragseingänge sind auf einen Wert von minus 69 Punkte gesunken, im Herbst 2019 lag der Wert bei minus 26.

Baugewerbe

Im Baugewerbe ist die Stimmung weiter gefallen, aber 47 Prozent der Unternehmen nennen weiterhin eine gute Geschäftslage. Die Erwartungen sind zurückhaltender, 42 Prozent gehen von einer schlechteren Entwicklung aus.

Großhandel

Immerhin wieder 20 Prozent der Betriebe nennen eine gute Lage (Vorumfrage 11,8), aber 30 Prozent schätzen ihre Lage als schlecht ein. Mit pessimistischen Erwartungen geht die Branche in die nächsten zwölf Monate, 36 Prozent gehen von einer weiteren Verschlechterung aus.

Einzelhandel

Eine leichte Verbesserung im immer noch negativen Bereich meldet der Einzelhandel. So berichten 13 Prozent über eine gute Lage, für 37 Prozent stellt sich die Situation schlecht dar (Vorumfrage: 8,7 und 39,1 Prozent). Nochmals zurückhaltender ist der Einzelhandel bei den Erwartungen. Nur noch 7,4 Prozent gehen von einer Verbesserung aus und 38,9 Prozent sind pessimistisch.

Verkehrsgewerbe

Bei einer unveränderten Lagebewertung im Vergleich zum Sommer mit 55 Prozent, die eine schlechte Lage melden, sind die Erwartungen deutlich zurückhaltender. 21 Prozent glauben an eine bessere Entwicklung, 34 Prozent an eine schlechtere.

Dienstleistungen

Während sich die Stimmung für die verbrauchernahen Dienstleistungen verschlechtert hat (53 Prozent sehen eine schlechte Lage, 15 Prozent schätzen ihre Situation als gut ein), hat sich bei den unternehmensnahen Dienstleistungen die Stimmung wieder leicht verbessert (31 Prozent melden eine gute Lage, 27 Prozent eine schlechte). Die Erwartungen haben sich in beiden Segmenten verschlechtert.

Den kompletten Konjunkturbericht und alle Datenblätter finden Sie auf unserer Konjunkturseite.

Dr. Susanne Hartmann Hauptgeschäftsführung 0221 1640-1600 0221 1640-1690 susanne.hartmann@koeln.ihk.de

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Hauptgeschäftsführung

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