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IHKs warnen vor Verkehrskollaps im Rheinland

Massive Auswirkungen auf Wirtschaftsstandort NRW befürchtet /
Kölner Themen vor allem neue Rheinbrücke, Bahnknoten-Ausbau und Baustellenmanagement

Köln, 31.08.2017.  Das Rheinland steht vor dem Verkehrskollaps – und dies hat massive Auswirkungen auf die gesamte wirtschaftliche Entwicklung Nordrhein-Westfalens: So die eindringliche Warnung der sieben Industrie- und Handelskammern im Rheinland (Aachen, Bonn/Rhein-Sieg, Düsseldorf, Duisburg, Köln, Mittlerer Niederrhein und Wuppertal-Solingen-Remscheid) vor den Folgen jahrelanger Investitionsversäumnisse in die Verkehrsinfrastruktur. In der Kölner Region hat in jüngster Zeit insbesondere die Sperrung der Leverkusener Brücke für den Lkw-Verkehr deutlich gemacht, in welch hohem Maße eben nicht nur die unmittelbare Region, sondern ganz NRW von Einschränkungen der Infrastruktur betroffen ist.

2,2 Millionen Euro pro Tag
Von den 28 nordrhein-westfälischen Rheinbrücken fallen zwölf in die Zuständigkeit von Straßen-NRW, und davon befinden sich von Nord nach Süd derzeit mit der Rheinbrücke Wesel (B58), der Rheinbrücke Beeckerwerth (A42), der Flughafenbrücke (A44) und der Rheinbrücke Düsseldorf-Flehe (A46) nur vier in „gutem Zustand“: Für die übrigen acht Rheinbrücken tickt die Uhr in Richtung Teil- oder Vollsperrungen bis hin zur Komplett-Sanierung beziehungsweise Neubau. Die Auswirkungen eines solchen Szenarios wären nicht nur für den Großraum Köln, sondern für ganz NRW fatal: „Täglich fahren etwa eine Million Fahrzeuge über die Rheinbrücken in NRW. Das sind Gewerbetreibende, Pendler und Privatpersonen. Wenn jedes dieser Fahrzeuge nur 10 Minuten täglich durch Stau, Unfälle oder gesperrte Straßen verliert, kostet es die Gesellschaft nach unseren Schätzungen jährlich über 800 Millionen Euro oder 2,2 Millionen Euro pro Tag“, rechnet Dr. Ulrich S. Soénius, stellvertretender Hauptgeschäftsführer und Geschäftsbereichsleiter Standortpolitik der IHK Köln, vor.

Brücken auf der Intensivstation
Mit diesen Summen, so die IHK Köln, könnte man in jedem Jahr eine neue Leverkusener Brücke und zwei Neuenkamp-Brücken, jeweils inklusive des achtspurigen Ausbaus zwischen den Anschlussstellen, bauen. Da die Leverkusener Brücke und die Brücke Neuenkamp bereits „auf der Intensivstation“ lägen, haben die IHKs auch ein „Worst-Case-Szenario“, also den dauerhaften Ausfall von einer oder sogar beider Rheinquerungen, geschätzt. Danach wären die Umleitungsstrecken und das nachgelagerte Netz kaum in der Lage, den zusätzlichen Verkehr aufzunehmen. Die sieben rheinischen IHKs schätzen, dass bei einem dauerhaften Ausfall der A40-Rheinquerung an Werktagen bis zu 44.000 Fahrzeuge mehr auf der A42 und bis zu 28.000 Fahrzeuge zusätzlich auf der A44 unterwegs seien. Bei einer Totalsperrung der Leverkusener Brücke würde die A46 mit bis zu 34.000 Fahrzeugen und die A4 mit bis zu 84.000 Fahrzeugen täglich mehr belastet. Rein rechnerisch würde die Rodenkirchener Brücke im Süden von Köln dann eine Auslastung von 220 Prozent aufweisen. Dazu Christian Breuer, Geschäftsführer der Breuer Spedition Köln GmbH, die ihren Sitz in Köln-Rodenkirchen hat: „Wir sind als klassisches Familienunternehmen seit über 130 Jahren in Köln ansässig. Wir sind auf eine gut funktionierende Infrastruktur und ein intelligentes Verkehrsmanagement angewiesen, denn nur so können unsere Fahrzeuge unsere Kunden erreichen. Die Brücken sind für unsere Fahrer ein Nadelöhr, das aufgrund der Einschränkungen, wie die Sperrung der Leverkusener Autobahnbrücke (A 1) für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen ein tagtäglicher Kampf gegen Überlastung, Staus und Lenkzeitenüberschreitung darstellt. Wir brauchen dringend die neue Autobahnbrücke von Köln-Godorf nach Köln-Langel als Entlastung der Rodenkirchener Brücke.“

Auf Baustellen rund um die Uhr arbeiten
Neben der neuen Brücke sieht IHK-Standortexperte Ulrich S. Soénius unter anderem den Ausbau des Bahnknotens Kölns zur Entlastung der Straßen und ein intensiviertes Baustellenmanagement als unabdingbare Voraussetzungen zur Verhinderung des Verkehrs-Kollapses. „Ein Anfang ist mit der Baustellenkoordinierungsrunde bei Regierungspräsidentin Walsken gemacht, aber die Straßen NRW und die Städte müssen noch früher informieren sowie flexibler die Baustellen gestalten. Zudem muss noch konsequenter an sieben Tagen und rund um die Uhr auf den Baustellen gearbeitet werden - erst Recht bei den Brücken", so Soénius.

Schneller planen, besser koordinieren, intelligent lenken
Das Rheinland ist der Wachstumsraum in NRW und NRW ein Transitland par excellence. Die sieben rheinischen Industrie- und Handelskammern gehen davon aus, dass der Güterverkehr im Rheinland bis zum Jahr 2030 um rund 40 Prozent zunehmen wird, der reine Transitverkehr auf der Straße sogar um bis zu 52 Prozent. Wenn es angesichts dieser Prognose nicht gelingen sollte, Liefer- und Transitverkehre sowie Logistik-Ketten aufrecht zu erhalten, schade das Industrie und Handel in ganz NRW und mindere deutlich seine Standort- Attraktivität. Die Sperrungen auf der A1 und A40 würden schon jetzt den Transitverkehr von und zu den ZARA-Häfen und in alle übrigen Landesteile erschweren. Die Forderungen der Industrie- und Handelskammern: Straßen und Brücken schneller planen, Baustellen besser koordinieren und Verkehre intelligent lenken. Die Landesregierung und die Kommunen seien aufgerufen, die bisherigen Aktivitäten zu intensivieren und noch besser abzustimmen. Auch der Bund sei gefordert, die Erreichbarkeit der Metropolregion Rheinland zu sichern.

Ansprechpartner

Sabina Janssen
Hauptgeschäftsführung
Tel. 0221 1640-1670
Fax 1690
sabina.janssen@koeln.ihk.de

Dok-Nr: 160524