Konjunktursorgen nehmen zu – Entlastung für Unternehmen wichtig

IHK Köln veröffentlicht die Ergebnisse des Konjunkturberichts für Herbst 2019.

Köln, 9. Oktober 2019. Die Wirtschaftskonjunktur im Bezirk der Industrie- und Handelskammer zu Köln hat nach vielen Jahren des Aufschwungs deutlich an Kraft verloren; die Lage der Unternehmen hat sich in den vergangenen Monaten weiter eingetrübt. Das zeigen die Ergebnisse der Konjunkturumfrage der IHK Köln für den Herbst 2019, an der 627 Unternehmen teilgenommen haben. So ist der Konjunkturklima-Indikator von 116,1 auf 99 Punkte gesunken. Das ist der niedrigste Wert seit zehn Jahren. Immerhin bezeichnen 85 Prozent der Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage weiterhin als gut oder befriedigend. Die Erwartungen der Unternehmen für die kommenden zwölf Monate sind jedoch deutlich gesunken.

„Angesichts dieser Entwicklung sind Entlastungen insbesondere für mittelständische Unternehmen sehr wichtig“, sagt Ulf Reichardt, Hauptgeschäftsführer der IHK Köln. „Das neue Bürokratieentlastungsgesetz ist ein guter erster Schritt. Es braucht aber weitere Erleichterungen bei Bürokratie und Steuern, um dem Abschwung entgegenzuwirken.“

Problematisch sei, dass derzeit in vielen Bereichen eher neue Belastungen auf die Unternehmen zukämen, etwa bei der Grundsteuer. „Der Umgang mit den Folgen des Klimawandels und der Digitalisierung bietet für viele Unternehmen Chancen, ist aber auch eine große Herausforderung. Gleichzeitig ist wegen der Handelskonflikte die globale Wirtschaftsentwicklung ins Stocken geraten“, sagt Reichardt. „In diesem Umfeld sollten Zusatzbelastungen dringend vermieden werden.“

Unterschiede zwischen Industrie und Dienstleistungsbranche
Die Abkühlung der globalen Konjunktur beeinträchtigt vor allem das Geschäft von exportorientierten Industrieunternehmen. Rund zwei Fünftel rechnen mit einer Verschlechterung des Auslandsgeschäfts. Mittlerweile meldet rund ein Viertel der Industriebetriebe im IHK-Bezirk eine schlechte Geschäftslage, in der vorherigen Umfrage nur jeder zehnte. Der Auftragseingang ist weiter zurückgegangen. Branchenübergreifend berichten dagegen nur 15 Prozent der Unternehmen von einer schlechten Geschäftslage. Ein weiteres Viertel der Industriebetriebe bewertet die Lage als gut, rund die Hälfe als zufriedenstellend.

Demgegenüber ist die Situation für viele Unternehmen in den Dienstleistungsbranchen besser. Sie profitieren von der anhaltend starken Inlandsnachfrage. Im Einzelhandel etwa hat sich die Lage verbessert, auch wenn der Ausblick auf die kommenden Monate zurückhaltender ist. Am besten ist die Stimmung derzeit in der Immobilien- und Versicherungswirtschaft sowie dem Baugewerbe.

Inlandsnachfrage hat an Bedeutung gewonnen
Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass die Inlandsnachfrage seit 2018 immer stärker in den Fokus der Unternehmen rückt. Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen, vor allem aus Handel und Dienstleistung, sieht eine etwaige negative Entwicklung als Geschäftsrisiko. Mehr Sorgen bereitet den Unternehmen nur der Fachkräftemangel. Als problematisch angesehen werden darüber hinaus insbesondere die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. Dabei denken die Befragten vor allem an Protektionismus, die ungeklärte Brexit-Frage und den Zustand der Infrastruktur.

Sonderumfrage zum Fachkräfteeinwanderungsgesetz
Am 1. März 2020 wird das neue Fachkräfteeinwanderungsgesetz in Kraft treten. Es soll Unternehmen die Beschäftigung von qualifizierten Fachkräften aus Nicht-EU-Staaten erleichtern. Die IHK Köln hat die Unternehmen im Rahmen der Konjunkturumfrage auch nach dem Fachkräftemangel und ihrer Sicht auf das Gesetz befragt. Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen beklagt, offene Stellen nicht längerfristig besetzen zu können. „Wenn der Fachkräftemangel anhält, das hat die Umfrage gezeigt, drohen eine größere Belastung für die vorhandene Belegschaft der Unternehmen und steigende Arbeitskosten“, sagt Hauptgeschäftsführer Reichardt. Immerhin mehr als jedes zehnte Unternehmen möchte deshalb künftig gezielt Fachkräfte aus Nicht-EU-Staaten anwerben. Einem Drittel war dies bislang aber zu aufwändig. Vielen Unternehmen fehlen derzeit auch noch Informationen zu den Erleichterungen durch das neue Gesetz. Hierzu und zur Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse berät die IHK Köln („Fachkräftesicherung“).

Investitionen
Die Bereitschaft der Unternehmen zu Investitionen ist insgesamt zurückgegangen. Knapp 27 Prozent wollen mehr investieren (Frühjahr: 32,2 Prozent), rund 23 Prozent dagegen ihre Budgets kürzen (Frühjahr: 17 Prozent). Unternehmen in einigen Industriebranchen, das Papier-, Verlags- und Druckgewerbe, das Baugewerbe, der Einzelhandel und die Informationswirtschaft planen aber, mehr auszugeben.

Arbeitsmarkt
Die Bereitschaft der Unternehmen zu Einstellungen hat abermals leicht abgenommen. Knapp 21 Prozent wollen mehr Mitarbeiter einstellen, rund 19 Prozent Stellen abbauen. Die große Mehrheit (60,2 Prozent) will die Beschäftigtenzahl halten. Mit mehr Personal planen die Immobilien- und die Gesundheitswirtschaft sowie das Baugewerbe.

Die Ergebnisse für die Stadt Köln
Die Unternehmen in Köln schildern insgesamt eine weiter eingetrübte Lage. Der Lageindikator ist von 35 auf 19 Punkte gesunken. Rund ein Drittel der Unternehmen meldet eine gute Lage (Frühjahr: 43,3 Prozent) und 13,3 Prozent eine schlechte Lage (Frühjahr: 8,3 Prozent). Im Hinblick auf die kommenden zwölf Monate sind auch die Erwartungen der Unternehmen weniger zuversichtlich. Den Fachkräftemangel, einen Rückgang der Inlandsnachfrage und die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen nennen die Kölner Unternehmen als Hauptrisiken.

Die Investitionsabsichten haben per Saldo ebenfalls abgenommen. 29 Prozent der Unternehmen planen höhere Investitionen (Frühjahr: 35,6 Prozent), während knapp 22 Prozent (Frühjahr: 14,9 Prozent) geringere Ausgaben planen. Als Hauptmotiv geben die Unternehmen weiterhin den Ersatzbedarf an. Die Beschäftigungspläne sind weiterhin positiv, im Vergleich zur vorherigen Umfrage jedoch etwas zurückhaltender.

Alle Ergebnisse der Konjunkturumfrage finden Sie hier.

Dr. Susanne Hartmann Hauptgeschäftsführung 0221 1640-1600 0221 1640-1690 susanne.hartmann@koeln.ihk.de

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