Behandlung der Dienstwagenbesteuerung während der Corona-Krise

Eine Sonderregelung wegen der Corona-Krise gibt es bisher nicht.

Die steuerliche Behandlung eines Dienstwagens regelt das BMF-Schreiben vom 4. April 2018.

1% - Methode
Darf ein Firmenwagen privat genutzt werden, so liegt für den Mitarbeiter ein geldwerter Vorteil und damit Arbeitslohn vor. Bei Anwendung der 1 Prozent-Regelung wird pauschal für jeden Kalendermonat 1 Prozent des inländischen Bruttolistenpreises im Zeitpunkt der Erstzulassung zuzüglich der Kosten für Sonderausstattungen als Arbeitslohn angesetzt. Damit sind die Privatfahrten, z. B. im Urlaub, am Wochenende oder Freizeit abgedeckt.

Der pauschale Nutzungswert für Privatfahrten ist auch dann anzusetzen, wenn das Kraftfahrzeug tatsächlich nur gelegentlich überlassen wird. Gleiches gilt, wenn der Mitarbeiter das Fahrzeug aktuell nur selten für private Fahrten nutzt. Allein auf die Möglichkeit kommt es an.

Die Monatsbeträge brauchen nach Ansicht der Finanzverwaltung nicht angesetzt zu werden:

  • für volle Kalendermonate, in denen Mitarbeitern kein betriebliches Kraftfahrzeug zur Verfügung steht, oder

  • wenn Mitarbeitern das Kraftfahrzeug aus besonderem Anlass oder zu einem besonderen Zweck nur gelegentlich für nicht mehr als fünf Kalendertage im Kalendermonat überlassen wird. In diesem Fall sind der pauschale Nutzungswert für Privatfahrten und der pauschale Nutzungswert für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte je Fahrtkilometer mit 0,001 Prozent des inländischen Listenpreises des Kraftfahrtzeuges zu bewerten. Zum Nachweis der Fahrtstrecke müssen die Kilometerstände festgehalten werden.

Wird Mitarbeitern ein Kraftfahrzeug mit der Maßgabe zur Verfügung gestellt, es für Privatfahrten nicht zu nutzen, ist von dem Ansatz des pauschalen Nutzungswertes abzusehen, wenn das Nutzungsverbot durch entsprechende Unterlagen (z. B. eine arbeitsvertragliche oder andere arbeits- oder dienstrechtliche Rechtsgrundlage) nachgewiesen wird.

Zu den Privatfahrten kommt noch die Bewertung der Fahrten zur ersten Tätigkeitsstätte hinzu. Kann ein Dienstwagen für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte genutzt werden, ist dieser Vorteil grundsätzlich mit 0,03 Prozent des Bruttolistenpreises pro Entfernungskilometer zu bewerten. Dies ist ein monatlicher Ansatz und gilt unabhängig von der Anzahl der monatlichen Fahrten. Unterbrechungen der Fahrten durch Urlaub oder Krankheit ist im Nutzungswert pauschal berücksichtigt. Es erfolgt keine unterjährige oder untermonatliche Änderung. Das gilt auch für die aktuelle Situation im Rahmen der Corona-Krise.

Ein Arbeiten im häuslichen Arbeitszimmer oder im Home-Office führt nicht dazu, dass dieses zur ersten Tätigkeitsstätte wird und dadurch der geldwerte Vorteil auf Null sinkt. Ein Büro in der privaten Wohnung des Mitarbeiters kann nie erste Tätigkeitsstätte werden. Es verbleibt somit auch beim Arbeiten von zu Hause bei dem Ansatz des 0,03 Prozent-Wertes.

Unter bestimmten Voraussetzungen ist jedoch eine Einzelbewertung der tatsächlichen Fahrten mit 0,002 Prozent des Bruttolistenpreises je Entfernungskilometer möglich. Diese Bewertungsmethode kommt insbesondere bei einer selten aufgesuchten ersten Tätigkeitsstätte in Betracht. Der Mitarbeiter hat in diesem Fall gegenüber dem Arbeitgeber monatlich fahrzeugbezogen schriftlich zu erklären, an welchen Tagen mit Datumsangabe das betriebliche Kraftfahrzeug tatsächlich für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte genutzt wurde.

Allerdings muss der Arbeitgeber zu Beginn des Kalenderjahres eine Entscheidung zur Bewertung treffen und die Anwendung der 0,03-Prozent-Regelung oder der Einzelbewertung für jedes Kalenderjahr einheitlich festlegen. Diese Entscheidung gilt aber das ganze Jahr und kann nicht unterjährig gewechselt werden.

Hinweis: Arbeitnehmer, die seit Januar 2020 die Fahrten zur ersten Tätigkeitsstätte nach der Einzelbewertung ermittelt haben, profitieren von den verringerten Fahrten in der derzeitigen Situation. Der geldwerte Vorteil wurde somit geringer.

Bei Arbeitgebern oder Arbeitnehmern, die seit Januar 2020 den geldwerten Vorteil in den Vormonaten des Jahres 2020 pauschal mit 0,03 Prozent ermittelt haben, ist ein Wechsel derzeit nicht möglich. Der geldwerte Vorteil bleibt also trotz weniger Fahrten gleich hoch.

Einzelbewertung für Fahrten zur ersten Tätigkeitsstätte im Rahmen der Einkommensteuerveranlagung
Im Rahmen ihrer Einkommensteuerveranlagung sind die Mitarbeiter nicht an die im Lohnsteuerabzugsverfahren angewandte 0,03-Prozent-Regelung gebunden und können für das gesamte Kalenderjahr zur Einzelbewertung wechseln. Sie können also dem Finanzamt erklären, dass der Arbeitgeber die Bewertung der Fahrten zur ersten Tätigkeitsstätte mit 0,03 Prozent vom Bruttolistenpreis vorgenommen hat. Allerdings wegen der Verlegung der Arbeit in das Home-Office für einen bestimmten Zeitraum, weniger Fahrten anzusetzen sind. Dies muss der Arbeitnehmer dann dem Finanzamt erklären.

Fahrtenbuchmethode
Als Alternative zu der pauschalen Ermittlung kommt die Ermittlung der privaten Nutzungsvorteile anhand eines ordnungsgemäßen Fahrtenbuchs in Betracht. Ein unterjähriger Wechsel zwischen der
1 Prozent-Regelung und der Fahrtenbuchmethode für dasselbe Kraftfahrzeug ist aber nicht zulässig. Auch hier gilt die Entscheidung zu Beginn des Kalenderjahres zu treffen.

Weitere Hinweise zur Dienstwagenbesteuerung finden Sie in unserem Info-Merkblatt.


Dr. Timmy Wengerofsky Recht und Steuern 0221 1640-3070 0221 1640-3690 timmy.wengerofsky@koeln.ihk.de
Ellen Lindner Recht und Steuern 0221 1640-3030 0221 1640-3690 ellen.lindner@koeln.ihk.de

Dr. Timmy Wengerofsky

Recht und Steuern

0221 1640-3070

0221 1640-3690

timmy.wengerofsky@koeln.ihk.de

Ellen Lindner

Recht und Steuern

0221 1640-3030

0221 1640-3690

ellen.lindner@koeln.ihk.de

Wie bewerten Sie diese Seite?

Absenden

Vielen Dank für Ihr Feedback!

Mehr zu diesem Thema

Unternehmenskrise

Gutscheinregelung für die Freizeit- und Veranstaltungsbranche wegen der Corona-Krise

Der Bundestag hat ein Gesetz mit einer Sonderregelung verabschiedet.

weiter
Unternehmenskrise

NRW-Soforthilfe jetzt auch für Gründerinnen und Gründer

Beantragung für vor dem 11. März 2020 gegründet Unternehmen jetzt möglich

weiter
Umwelt

Systembeteiligungspflicht von Verpackungen von Atemschutzmasken

weiter
Corona

Hygienemaßnahmen und -tipps für Unternehmen in der Corona-Krise

So können Unternehmen ihre Mitarbeiter und Kunden schützen.

weiter
Gesundheitswirtschaft

Herstellung von Schutzmasken

BMWi fördert Investitionen in Vlies-Produktionsanlagen für die Herstellung von Masken

weiter
Service-Center

Neue Betrugsmails zum Soforthilfeprogramm im Umlauf

NRW-Wirtschaftsministerium warnt Unternehmen vor Betrügern

weiter
Digital Cologne

Innovationen und digitale Lösungen

Ein Ideenpapier vom DIHK zeigt Möglichkeiten der Corona-Krise zu strotzen.

weiter
Service-Center

IHK Köln öffnet ab Montag, 4. Mai wieder für vereinbarte Beratungsgespräche

Wegen der Corona-Krise weiterhin keine Veranstaltungen

weiter
Steuern

Vorläufiger Verlustrücktrag für Unternehmen in der Corona-Krise

So können Sie absehbare Verluste schon jetzt verrechnen lassen.

weiter
Unternehmenskrise

Häufige Fehler bei der Beantragung der Soforthilfen

Mit diesen Tipps können Unternehmen und Selbständige Probleme vermeiden.

weiter
Gesundheitswirtschaft

Vermittlungsplattformen für Schutzausrüstung

Angebote sollen Hersteller von Gesichtsmasken oder Desinfektionsmitteln und Betriebe in der Corona-Krise zusammenbringen

weiter
Steuern

BMF-Schreiben zu weiteren steuerlichen Maßnahmen zur Förderung der Hilfe für von der Corona-Krise Betroffene

Der Bund hat weitere Erleichterungen ermöglicht.

weiter
Recht

Handels- und Gesellschaftsrecht in Zeiten von Corona

Zeitlich befristete Änderungen im Gesellschaftsrecht wegen der Coronakrise

weiter
Steuern

Sonderzahlungen sind in der Corona-Krise bis zu einer Höhe von 1.500 Euro steuerfrei

Arbeitgeber können ihren Beschäftigten nun steuerfrei Beihilfen und Unterstützungen gewähren.

weiter