Risiko Rastanlage: Autobahnparkplätze teilweise fast vierfach überbelegt

Studie der IHK Köln belegt 700 fehlende LKW-Stellplätze und zeigt Lösungsansätze auf.

KÖLN, 27.09.2019. Wegen fehlender Stellplätze auf deutschen Autobahnen überschreiten LKW-Fahrer Lenkzeiten, fahren weite Umwege oder parken an gefährlichen Stellen. Die IHK Köln hat nun in Kooperation mit der Universität Duisburg-Essen die Situation auf 33 Autobahn-Rastanlagen und zwei Autohöfen im Bezirk der IHK Köln untersucht. Die „LKW-Parkraumanalyse Köln“ belegt, dass fast alle Rastanlagen in der Region überlastet sind. Insgesamt fehlen knapp 700 LKW-Stellplätze. Dem stehen 685 von Bund und Land geplante zusätzliche Stellplätze gegenüber, deren Fertigstellung sich aufgrund der langwierigen Planungsverfahren aber teilweise noch bis zu acht Jahre lang hinauszögern kann. „Die Studie zeigt deutlich, dass die vorhandenen Kapazitäten in der Region nicht ausreichend sind“, sagt Ulf Reichardt, Hauptgeschäftsführer der IHK Köln. „Neben mehr Stellplätzen für LKW brauchen wir vor allem eine intelligente Nutzung der vorhandenen Flächen. Die entsprechenden digitalen Parkleit- und Parkraummanagementsysteme sind schon einsatzfähig.“

Während der Zählungen, die für die Studie Anfang 2019 durchgeführt worden sind, waren nur auf sechs der untersuchten Anlagen im Mittel LKW-Stellplätze frei. Alle anderen Anlagen waren überbelegt, das heißt, auf den Rastanlagen parkten mehr LKW als eigentlich vorgesehen. „Gerade in den Abend- und Nachtstunden ist die Situation regelrecht katastrophal. Unter den fehlenden Parkplätzen leiden viele: allen voran die gestressten Fahrer, aber auch Spediteure, deren Kunden sowie andere Verkehrsteilnehmer“, sagt Dr. Ulrich S. Soénius, stv. Hauptgeschäftsführer und Geschäftsbereichsleiter Standortpolitik der IHK Köln.

So stellten Fahrer ihre Fahrzeuge wegen fehlender Stellplätze auf PKW- und Busstellplätzen ab. „In Zeiten besonders hoher Nachfrage stehen auf nahezu allen Rastplätzen LKW sogar bis in die Auf- und Abfahrten hinein“, sagt Prof. Dr.-Ing. Bernd Noche, Zentrum für Logistik und Verkehr der Universität Duisburg-Essen. „Das ist eine erhebliche Gefahr für die Verkehrssicherheit.“

Besonders stark überlastet sind die Anlagen Aggertal Süd, Frechen Nord, Schloss Röttgen West sowie Bedburger Land West und Ost. An diesen Standorten parkten im Untersuchungszeitraum mehr als dreimal so viele LKW wie Stellplätze ausgewiesen sind, teilweise fast viermal so viele.

Die geplanten neuen Stellplätze entsprechen gerade der Zahl derer, die jetzt schon fehlen. Dabei ist laut Bundesverkehrswegeplan anzunehmen, dass der Schwerlastverkehr in der Region weiter zunehmen wird. Hinzu kommt die mögliche Rückverlagerung von derzeitigen Ausweichverkehren nach Eröffnung der neuen Leverkusener Brücke. Weil das Schienennetz vielerorts ebenfalls überlastet und der Ausbau langwierig ist, ist eine erhebliche Verlagerung auf den Eisenbahnverkehr kurz- bis mittelfristig nicht realistisch.

„Angesichts dieser Zahlen und Aussichten ist jeder zusätzliche LKW-Stellplatz wichtig“, sagt Soénius. „Die Studie hat aber auch gezeigt, dass es damit nicht getan ist. Die Ausbaupläne decken gerade einmal den heutigen Bedarf. Angesichts des prognostizierten Wachstums braucht es weitere, innovative Maßnahmen, damit die vorhandenen Kapazitäten besser genutzt werden können.“

Telematisch gestützte Parkleitsysteme wären eine solche Entlastung. Dabei können LKW-Fahrer in Echtzeit abrufen, auf welchen Parkplätzen freie Stellplätze zur Verfügung stehen. Solch ein System wird derzeit etwa an der A9 zwischen Nürnberg und München getestet. In die entsprechenden Datenbanken könnten auch freie Stellplätze bei Verladern und Spediteuren einbezogen werden.

Eine effizientere Nutzung der Stellplätze auf den Anlagen durch die LKW ermöglichen derweil Parkraummanagementsysteme. Die Kapazität der Rastanlage Montabaur etwa konnte mithilfe eines solchen Systems, bei dem LKW koordiniert und besonders kompakt abgestellt werden, deutlich erweitert werden. „Diese Systeme sollten auch in unserer Region zum Einsatz kommen“, sagt Soénius.

Parkleitsysteme kämen auch den Speditionsunternehmen entgegen. Im Rahmen der Studie wurde auch eine Online-Befragung durchgeführt, an der sich 39 Speditionsunternehmen aus dem Großraum Köln beteiligt haben. Neun von zehn Befragten bewerteten das Parkplatzangebot für LKW als schlecht oder sehr schlecht. Alle Befragten kritisierten, dass ihnen Informationen zur Verfügbarkeit von LKW-Stellplätzen fehlten. Viele Spediteure beklagten zudem Kostensteigerungen und einen Verlust der Laufleistung durch die Suche nach Parkplätzen. Sicherheit und Ausstattung der Rastanlagen schätzten sie überwiegend negativ ein.

Die Studie ist abrufbar unter www.ihk-koeln.de/214181.

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