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Verkürzung der Ausbildungszeit

In den Ausbildungsordnungen der anerkannten Ausbildungsberufe ist u.a. die Dauer der Ausbildungszeit für jeden Ausbildungsberuf verbindlich geregelt. Das Berufsbildungsgesetz (BBiG) sieht in § 8 Absatz 1 und 2 jedoch auch die Möglichkeit von Abweichungen vor. In begründeten Fällen kann, in Ausnahmefällen muss von den vorgesehenen Regelausbildungszeiten abgewichen werden. Die folgenden Ausführungen stellen in Kürze die wichtigsten Verkürzungstatbestände und ihre praktische Umsetzung dar:

Verkürzungspflicht
Eine Pflicht zur Verkürzung bestand bislang, wenn der Auszubildende ein Berufsgrundbildungsjahr (BGJ) abgeschlossen hatte. Mit der "Berufskollegsanrechnungs- und -zulassungsverordnung" ist diese Pflicht entfallen. Es bestehen nun nur noch die folgenden freiwilligen Verkürzungsmöglichkeiten:

Verkürzungsmöglichkeiten
Als mögliche Gründe für Kann-Verkürzungen eines Ausbildungsverhältnisses kommen insbesondere in Betracht:

·         Der vorheriger Besuch eines schulischen Berufsgrundbildungsjahres oder einer Berufsfachschule (Dauer der Verkürzung: 6 oder 12 Monate).

·         Eine vorangegangene Berufsausbildung, sei es in demselben Beruf (z.B. bei Fortsetzung nach Abbruch der Berufsausbildung) oder in einem anderen, insbesondere verwandten Ausbildungsberuf (Dauer der Verkürzung: in Abhängigkeit von der Dauer der voran gegangenen Berufsausbildung bzw. deren Abschluss, in der Regel max. 12. Monate).

·         Eine höhere schulische Allgemeinbildung, z.B. Realschulabschluss (Dauer der Verkürzung: max. 6 Monate), Hochschul- oder Fachhochschulreife (Dauer der Verkürzung: max. 12 Monate).

Die angegebenen Verkürzungsgründe und Verkürzungszeiten sind Empfehlungen; in jedem Einzelfall sollten die an der Berufsausbildung Beteiligten sorgfältig abwägen, ob und wie lange eine Verkürzung in Frage kommt. Die individuelle Verkürzung bedarf eines Antrages und der vertraglichen Vereinbarung sowie der Berücksichtigung bei der Erstellung des "betrieblichen Ausbildungsplanes", da alle in der Ausbildungsordnung vorgeschriebenen Ausbildungsinhalte - in entsprechend verkürzter Zeit - vermittelt werden müssen.

Antrag auf Verkürzung (gem. § 8 Abs. 1 BBiG)
Über den Antrag auf Verkürzung der Ausbildung entscheidet die zuständige Stelle (Industrie- und Handelskammer). Für Zeitpunkt und Form des Antrags gibt es zwei Möglichkeiten:

  • Die Verkürzung wird direkt bei Abschluss des Ausbildungsvertrages vereinbart, die Zeiten und die Gründe für die Verkürzung werden im Ausbildungsvertrag, der der zuständigen Stelle zur Eintragung in das "Verzeichnis der Ausbildungsverhältnisse" eingereicht wird, vermerkt und entsprechende Nachweise (Kopien von Zeugnissen) beigefügt. Der so eingereichte Ausbildungsvertrag stellt dann den Antrag dar, dem mit der Eintragungsbestätigung der zuständigen Stelle stattgegeben wird.
  • Die Verkürzung wird zu einem späteren Zeitpunkt nach Ausbildungsbeginn vereinbart: Der zuständigen Stelle muss diese Vereinbarung formlos, aber schriftlich unter Angabe von Zeiten und Gründen sowie Nachweisen (siehe oben) mitgeteilt werden. Gleichzeitig muss die sachliche und zeitliche Gliederung der Ausbildung (betrieblicher Ausbildungsplan) entsprechend der Verkürzung geändert werden. Beide Vertragspartner (Betrieb und Auszubildender) erhalten eine geänderte Eintragungsbestätigung, die dann die Vertragsänderung wirksam werden lässt. Im Hinblick insbesondere auf den zwingend zu ändernden "betrieblichen Ausbildungsplan" kommt eine nachträgliche Verkürzung der Ausbildungszeit nur dann in Betracht, wenn noch mindestens eine einjährige Ausbildungsdauer durchgeführt werden kann. Wird der Antrag erst im Laufe der letzten 12 Monate der Ausbildungszeit gestellt, so wird dieser als Antrag auf vorzeitige Zulassung zur Abschlussprüfung (nach Maßgabe des § 45 Abs. 1 BBiG) behandelt. 

Vorzeitige Zulassung
Auch die vorzeitige Zulassung zur Abschlussprüfung (§ 45 Abs. 1 BBiG) führt de facto zu einer Verkürzung der Ausbildung, bedingt im Gegensatz zu den oben genannten Verkürzungstatbeständen jedoch keine Vertragsänderung. Der Ausbildungsvertrag wird in diesem Fall nur dann berührt, wenn der Aus­zubildende die Abschlussprüfung, zu der er vorzeitig zugelassen wurde, besteht, da ein Ausbildungsverhältnis mit dem Tag des Bestehens der Abschlussprüfung beendet wird.

Grundsätzlich können bei einem Ausbildungsverhältnis mehrere Verkürzungsgründe - die vorzeitige Zulassung zur Abschlussprüfung inbegriffen - zusammentreffen, es gilt jedoch eine Mindestausbildungszeit zu beachten, die nicht unterschritten werden darf. Sie beträgt bei einer regulären Ausbildungszeit von 3 1/2 Jahren 24 Monate, bei 3-jähriger Ausbildungszeit 18 Monate und bei 2-jährige Ausbildungszeit 12 Monate.

Ausbildungsvergütung
Die Höhe der Ausbildungsvergütung ist durch eine Kann-Verkürzung nicht betroffen, d.h. die Ausbildungsvergütung für das zweite bzw. dritte Ausbildungsjahr muss nicht um den Verkürzungszeitraum früher gezahlt werden.

Ausbildungsberater
Weitere Informationen zu den Möglichkeiten und Konsequenzen der Verkürzung der Ausbildungszeit erteilen die Ausbildungsberater der Industrie- und Handelskammer zu Köln.


Stand: März 2009

 

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