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Erste Standortanalyse der IHK-Initiative Rheinland

Eine leistungsstarke Region mit Ambitionen

„Das Rheinland kann mit den leistungsstärksten Metropolregionen Deutschlands
mithalten“, so Dr. Dieter Porschen, Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer
Niederrhein, der im Namen der Rheinlandinitiative der Industrie- und Handelskammern
Aachen, Bonn, Düsseldorf, Köln und Mittlerer Niederrhein am heutigen
Mittwoch in Düsseldorf deren erste Standortanalyse vorstellte. Die Analyse
vergleicht das Rheinland an Hand ausgewählter Indikatoren mit den Metropolregionen
Hamburg, Frankfurt, München, Rhein-Neckar, dem Ruhrgebiet und
Stuttgart.

Für Deutschland hatte die Ministerkonferenz für Raumordnung im Jahre 1995
insgesamt elf Metropolregionen festgelegt, wobei das Rheinland gemeinsam
mit dem Ruhrgebiet zur Metropolregion Rhein-Ruhr zusammengefasst wurde.
Diese Verknüpfung zweier sehr unterschiedlich zusammengesetzter Gebiete
mit verschieden starker Wirtschaftskraft habe, so die einhellige Meinung der in
der Rheinlandinitiative zusammengeschlossenen Industrie- und Handelskammern,
allerdings mehr den Charakter eines „Kunstgebildes“. Deshalb plädieren
die fünf IHK’s dafür, das Rheinland ebenso wie das Ruhrgebiet als eigenständige
Metropolregion zu positionieren.

Mit 6,7 Mio. Bürgern sei das Rheinland die größte Metropolregion und weise
hinter dem Ruhrgebiet die höchste Einwohnerdichte auf. Das Bruttoinlandsprodukt
in Höhe von 213 Mrd. Euro bedeute ebenfalls einen klaren Spitzenwert,
auch wenn die Zuwachsraten geringer als in den anderen Metropolregionen
ausfielen. Den Spitzenwert belege es hingegen wieder mit seinen 2,25 Mio.
Beschäftigten, die zudem überproportional hoch qualifiziert seien. Immerhin
12,6 Prozent von ihnen verfügten über einen Fachhochschul- beziehungsweise
Hochschulabschluss - ein Wert, der nur in Frankfurt und München knapp übertroffen
werde. Nicht zuletzt daraus resultierte auch das hohe Verfügbare Einkommen
der Region in Höhe von 135,5 Mrd. Euro. Im Zeitablauf der letzten
zehn Jahre sei es um beachtliche 20 Prozent gewachsen, allerdings erreiche
der Spitzenreiter Hamburg ein Plus von knapp 23 Prozent.

„Die etwas geringere Wachstumsdynamik im Rheinland ist auf die insgesamt
schwierigeren Rahmenbedingungen in Nordrhein-Westfalen zurückzuführen.
Das hat nicht zuletzt etwas mit den strukturellen Anpassungen aufgrund der
altindustriellen Vergangenheit zu tun“, erklärte Porschen. „Doch den Standort
Rheinland weiter zu stärken und so zusätzliche Wachstumsdynamik zu entfachen,
ist ja gerade die entscheidende Zielsetzung der Rheinland-IHK’s.“
Zurückgreifen könne man dazu auf eine hochleistungsfähige Wirtschaftsstruktur
mit einem im Bundesvergleich deutlich stärkeren Dienstleistungssektor. Insbesondere
die wirtschaftsnahen Dienstleistungen, die im Rheinland inzwischen
die stärkste Branche darstellen, hätten zu diesem Ergebnis beigetragen. „Sie
erbringen Dienstleistungen für andere Unternehmen und sind damit gewissermaßen
der Schmierstoff für die Wirtschaft“, so Dr. Udo Siepmann, Hauptgeschäftsführer
der IHK Düsseldorf. „In Kombination mit der hiesigen leistungsfähigen
Industrie bilden sie ein hoch produktives Netzwerk, das einen entscheiden
Vorteil des Rheinlandes darstellt“. Zu dessen wichtigen industriellen Kernen
gehörten dabei insbesondere der Maschinen- und fahrzeugbau, die Chemische
Industrie sowie die Hersteller von Metallerzeugnissen.

Auch die Unternehmen seien zur Einschätzung ihres Standortes befragt worden
und hätten dem Rheinland als Schulnote eine glatte Zwei gegeben. Als entscheidende
Standortstärke würden sie dabei die zentrale Lage in Verbindung
mit der exzellenten Verkehrsanbindung sehen - egal ob per Straße, zu Luft, auf
der Schiene oder zu Wasser. Dies bedeute zugleich eine vorteilhafte Nähe zu
Lieferanten und Kunden. Hochgeschätzt werde zudem die gute IuK- Infrastruktur
und der Zugang zu Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen. Auch das
kulturelle Angebot werde als wichtig und gut eingestuft, da es zur hohen Lebensqualität
im Rheinland beitrage.

Eher im „Befriedigend-Bereich“ liegen hingegen das Image, das Standortmarketing
sowie die arbeitsmarktbezogenen Faktoren. Kritisch gesehen werde zudem
die Höhe der Ver- und Entsorgungskosten für Energie, Abwasser und Abfall.
„Diese im internationalen Vergleich hohen Kosten stellen für die Unternehmen
in der Tat ein Wettbewerbshandicap dar, doch sind sie kein rheinlandspezifisches
Problem“, erklärte Porschen. „Diesbezüglich muss leider die gesamte
Bundesrepublik als Hochkostenland bezeichnet werden.“

Alles in allem sei mit der vorliegenden Untersuchung zum ersten Mal eine wirtschaftsstrukturelle Bestandsaufnahme für das Rheinland erfolgt. „Denn erst
wenn man weiß, wo man steht, kann man auch sagen, wohin man will“, folgerte
Siepmann und kündigte als nächsten Schritt ein gemeinsames Positionspapier
an. „Wie sieht sich das Rheinland, wie will es sich positionieren, welche Ziele
strebt es an und welche politischen Forderungen erhebt es?“

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